Arzneiverordnungs-Report

 

Der Arzneiverordnungs-Report berichtet seit 1985 unabhängig und ausführlich über die ärztlichen und zahnärztlichen Arzneiverordnungen in Deutschland. Er trägt damit zur Transparenz des Arzneimittelmarktes, zur Bewertung von Medikamenten sowie zu einer zweckmäßigen, sicheren, evidenzbasierten und wirtschaftlichen Arzneitherapie bei.

 

In dem jährlich erscheinenden Report gehen Fachleute aus Pharmakologie, Medizin und Ökonomie auf viele Fragen zum deutschen Arzneimittelmarkt und dem ärztlichen Verordnungsverhalten ein. So zum Beispiel: Welche Arzneimittel sind sowohl aus der Versorgungsperspektive als auch mit Blick auf die Kosten relevant und warum? Wie häufig verordnen Ärzte neue patentgeschützte Medikamente? Welchen Anteil haben Nachahmerpräparate an allen Verordnungen? In welchen Indikationsbereichen wandelt sich aktuell die Arzneimitteltherapie?

 

Dort, wo es möglich ist, werden Medikamente nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin beurteilt. Um das Verordnungsgeschehen aus ökonomischer Perspektive zu beleuchten, zeigt der Report die Zusammenhänge und Hintergründe zu der Ausgabenentwicklung bei Arzneimitteln auf.

 

Das Projekt GKV-Arzneimittelindex im WIdO unterstützt dieses Standardwerk sowohl mit den Verordnungs- und Klassifikationsdaten als auch mit eigenen Beiträgen.   

Arzneiverordnungs-Report 2018 – Arzneimittelverbrauch in Deutschland

 

Die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen lagen 2017 inklusive der Zuzahlung der Versicherten bei 39,9 Milliarden Euro, ein deutliches Plus von 1,4 Milliarden Euro bzw. 3,7 % gegenüber dem Vorjahr. Auch wenn die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen den größten Posten darstellen, weisen die Ausgaben für Arzneimittel seit 2000 mit einem Zuwachs von 87 %, also nahezu einer Verdopplung der Ausgaben, die stärkste Steigerung auf.

 

Die Datenbasis der gesamten Analysen im Arzneiverordnungs-Report 2018 besteht erstmals nicht mehr nur aus verordneten Fertigarzneimitteln und Hilfsmitteln, sondern wurde in allen Auswertungen um die in Apotheken aus Fertigarzneimitteln hergestellten sogenannten parenteralen Zubereitungen erweitert. Dies trägt der Relevanz dieses Marktsegments Rechnung – seit 2012 ist dieser Markt um 50 % gewachsen und umfasst mittlerweile einen Anteil von 10,2 % gemessen am Gesamtumsatz.   

 

Trotz rückläufiger Verordnungen im Jahr 2017 und eines anhaltenden negativen Preiseffekts stieg der Arzneimittelgesamtumsatz um 3,5 % (1,4 Mrd. Euro) auf 41,5 Mrd. Euro. Dabei ist diese Umsatzdynamik vor allen Dingen durch die Strukturentwicklung, der Verschiebung hin zur Verordnung von teureren Produkten, getrieben. Diese Strukturkomponente allein verursachte einen Umsatzanstieg von knapp 2,4 Mrd. Euro, was einer Umsatzsteigerung von 6,1 % entspricht.

 

Diese teuren Arzneimittel sind vor allen Dingen im Markt der neuen, patentgeschützten Arzneimittel zu finden. Wie der Arzneiverordnungs-Report zeigt, haben sich diese Preise seit 2011 von denen des gesamten Marktes für patentgeschützte Arzneimittel entkoppelt. Während sie 2011 noch annähernd ähnlich waren, war der durchschnittliche Preis für eine Packung eines neuen Arzneimittels (Neueinführungen der letzten 36 Monate) im Frühjahr 2018 doppelt so hoch wie der für alle im Markt angebotenen Patent-Arzneimittel. Eine besondere Umsatzdynamik geht zudem auch von der Gruppe von Arzneimitteln gegen seltene Erkrankungen, den sogenannten Orphan Drugs, aus: Diese entwickeln sich trotz ihrer (ursprünglichen) Auszeichnung als Arzneimittel gegen seltene Erkrankungen vermehrt zu Blockbustern und nehmen mittlerweile rund 8 % des Gesamtumsatzvolumens ein. Der Report untersucht Ursachen dieser Entwicklung.   

 

Erstmals widmet sich ein Kapitel auch den Nachahmerprodukten des wachsenden Markes der Biologika, den sogenannten Biosimilars, von denen 2017 bereits Präparate zu zehn Wirkstoffen verfügbar waren. Obwohl der Verordnungsanteil der Biosimilars in diesen Märkten in 2017 weiter zugenommen hat, sind die Biosimilar-Quoten weit entfernt von denen des Generikamarktes. Zudem sind die Preisabstände zwischen Erst- und Zweitanbieterpräparaten bei Biosimilars vergleichsweise gering, sodass ein großer Anteil des Einsparpotenzials bisher ungenutzt bleibt.  

      

Nachdem in den letzten beiden Jahren durch europäische Preisvergleiche mit acht anderen EU-Ländern gezeigt wurde, dass die Preise für patentgeschützte Arzneimittel in Deutschland deutlich über dem europäischen Niveau liegen, untersucht ein Beitrag in diesem Report die unterschiedlichen Regularien zu Marktzugang, Erstattung und Preissetzung neuer patentgeschützter Arzneimittel in der Europäischen Union. So zeigt sich, dass sich diese in Deutschland in einigen relevanten Punkten von denen in anderen Ländern unterscheiden. Einzigartig im europäischen Umfeld ist die Möglichkeit des sofortigen Markteintritts nach Zulassung. Das Arzneimittel ist im ersten Jahr grundsätzlich erstattungsfähig und kann von einem pharmazeutischen Unternehmer zu einem beliebigen Preis angeboten werden.

Inhalte des Arzneiverordnungs-Reports sind:

  • Allgemeine Verordnungs- und Marktentwicklung
  • Zulassungsverfahren
  • Neue Arzneimittel
  • Biosimilars
  • Analysen von Trends und Marktsegmenten
  • Ergebnisse des AMNOG-Erstattungsbetragsverfahrens
  • Marktzugang, Erstattung und Preissetzung neuer, patentgeschützter Arzneimittel in der Europäischen Union
  • Indikationsgruppenbezogene Besprechungen
  • Zahnärztliche Verordnungen
  • Methodisch-statistischer Anhang

Schwabe/Paffrath/Ludwig/Klauber (Hrsg.): Arzneiverordnungs-Report 2018: Aktuelle Daten, Kosten, Trends und Kommentare; 2018; 906 S.; 92 Abb.; Softcover; 59,99 €; ISBN 978-3-662-57385-3; Springer-Verlag. >>>

 

Ansprechpartner

Dr. Carsten Telschow

Tel. 030/34646-2111

carsten.telschow(at)wido.bv.aok.de

 

 

Downloads

Material zur Pressekonferenz

 

- AVR 2018 >>>  

- AVR 2017 >>> 

- AVR 2016 >>>

- AVR 2015 >>>

- AVR 2014 >>>

- AVR 2013 >>>

- AVR 2012 >>>

- AVR 2011 >>>

- AVR 2010 >>>

- AVR 2009 >>>

- AVR 2008 >>>

- AVR 2007 >>>

- AVR 2006 >>>

- AVR 2005 >>>

- AVR 2004 >>>

WIdO Literaturdatenbank

Alle Publikationen zum Thema >>>

Bestellen

Arzneiverordnungs-Report bestellen >>>

Partner

Springer-Verlag, Berlin