Qualität im Pflegeheim

Qualitätsmessung in der Pflege mit Routinedaten (QMPR)

Rund 800.000 hochbetagte und multimorbide Menschen leben in deutschen Pflegeheimen. Es besteht ein großer Bedarf, die Transparenz und Qualität der Versorgung in diesen Einrichtungen zu optimieren. Deshalb hat der Gesetzgeber die gesetzliche Qualitätssicherung für die Pflege in Pflegeheimen in den letzten Jahren weiterentwickelt. Bisher ist allerdings nicht vorgesehen, Routinedaten der Kranken- und Pflegekassen dafür zu nutzen. Das Potenzial dieser Daten für die Qualitätsmessung ist jedoch erheblich. Denn sie ermöglichen eine sektor- und berufsgruppenübergreifende Perspektive auf die Versorgung der Pflegebedürftigen mit ihren vielschichtigen Bedürfnissen. Das WIdO testet aus diesem Grund das Potenzial routinedatenbasierter Qualitätsindikatoren für die vollstationäre Langzeitpflege.

WIdO entwickelt routinedatenbasierte Indikatoren zur Messung von Qualität im Pflegeheim

Das WIdO entwickelt aus diesem Grund gemeinsam mit dem aQua-Institut und der Universität Heidelberg im Rahmen eines innovationsfondsgeförderten Projekts routinedatenbasierte Qualitätsindikatoren für die vollstationäre Langzeitpflege. Hierfür verknüpft das Institut die anonymisierten Routinedaten der AOK-Pflege- und Krankenkassen, die unter anderem Informationen zu Erkrankungen und zu ambulanten und stationären Behandlungen der Versicherten enthalten, mit den Daten zur Pflegebedürftigkeit (unter anderem zu den Pflegegraden und zur Art der Pflegeleistung). Auf dieser Basis und im Abgleich mit international etablierten Qualitätssicherungspraktiken wird so bis Anfang des Jahres 2021 ein Set an Qualitätsindikatoren entwickelt, um die Ergebnisqualität im Pflegeheim in Deutschland zu messen.

Analysen unterstreichen die Relevanz routinedatenbasierter Qualitätsmessung

Erste Ergebnisse zu routinedatenbasierten Qualitätsindikatoren – unter anderem zur Dekubitusentstehung, und zum Einsatz von Antipsychotika – hat das WIdO im Pflege-Report 2018 veröffentlicht. Die darin enthaltenen Analysen machen große Unterschiede zwischen den Pflegeheimen deutlich und bestätigen somit die hohe Relevanz dieser Qualitätsmessung. Damit Pflegeheime ihre Ergebnisse mit anderen Einrichtungen vergleichen können, erarbeitet das Institut indikatorspezifische Modelle, die die abweichende Risikostruktur zwischen den Einrichtungen berücksichtigen.

Für die Pflege- und Versorgungsforschung in Deutschland betritt das WIdO damit Neuland und leistet langfristig einen wichtigen Beitrag für die interne Qualitätssicherung und zur Transparenz bei der Versorgung von Pflegebedürftigen.

Antipsychotika-Verordnungen je 100 Pflegeheimbewohner mit eingeschränkter Alltagskompetenz

Im Jahr 2015 traten in jedem vierten Pflegeheim in Deutschland 194,4 und mehr Antipsychotika-Fälle pro 100 Bewohner mit eingeschränkter Alltagskompetenz auf. Damit bekam durchschnittlich jeder an Demenz erkrankte Bewohner in diesen Einrichtungen zumindest in zwei Quartalen ein Antipsychotikum verschrieben. Auch in den Pflegeheimen mit den niedrigsten Antipsychotika-Raten traten bereits bis zu 131,9 Fälle pro 100 Bewohner mit Demenz auf. Insgesamt hatten 40,6 Prozent aller Pflegeheimbewohner mit eingeschränkter Alltagskompetenz mindestens eine Antipsychotika-Verordnung pro Quartal erhalten.

Dabei empfiehlt die S3-Leitlinie „Demenzen“ der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) sowie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) nur einen kurzen, befristeten Einsatz spezifischer atypischer Antipsychotika in geringstmöglicher Dosis. Grund sind erhebliche Risiken für ältere, dementiell erkrankte Menschen und moderater Medikationsnutzen solcher Wirkstoffe.