Arzneiverordnungs-Report 2018

Arzneimittelverbrauch in Deutschland

Die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen lagen 2017 inklusive der Zuzahlung der Versicherten bei 39,9 Milliarden Euro, ein deutliches Plus von 1,4 Milliarden Euro oder 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch wenn die Ausgaben für stationäre Behandlungen den größten Posten darstellen, weisen die Ausgaben für Arzneimittel seit 2000 mit einem Zuwachs von 87 Prozent, also nahezu einer Verdopplung der Ausgaben, die stärkste Steigerung auf. 

Die Datenbasis der gesamten Analysen im Arzneiverordnungs-Report 2018 besteht erstmals nicht mehr nur aus verordneten Fertigarzneimitteln und Hilfsmitteln, sondern wurde in allen Auswertungen um die in Apotheken aus Fertigarzneimitteln hergestellten sogenannten parenteralen Zubereitungen erweitert. Dies trägt der Relevanz dieses Marktsegments Rechnung – seit 2012 ist dieser Markt um 50 Prozent gewachsen und umfasst mittlerweile einen Anteil von 10,2 Prozent gemessen am Gesamtumsatz.   

Umsatzanstieg durch Verordnung teurerer Produkte

Trotz rückläufiger Verordnungen im Jahr 2017 und eines anhaltenden negativen Preiseffekts stieg der Arzneimittelgesamtumsatz um 3,5 Prozent (1,4 Milliarden Euro) auf 41,5 Milliarden Euro. Dabei ist diese Umsatzdynamik vor allen Dingen durch die Strukturentwicklung, der Verschiebung hin zur Verordnung von teureren Produkten, getrieben. Diese Strukturkomponente allein verursachte einen Umsatzanstieg von knapp 2,4 Milliarden Euro, was einer Umsatzsteigerung von 6,1 Prozent entspricht. 

Diese teuren Arzneimittel sind vor allen Dingen im Markt der neuen, patentgeschützten Arzneimittel zu finden. Wie der Arzneiverordnungs-Report zeigt, haben sich diese Preise seit 2011 von denen des gesamten Marktes für patentgeschützte Arzneimittel entkoppelt. Während sie 2011 noch annähernd ähnlich waren, war der durchschnittliche Preis für eine Packung eines neuen Arzneimittels (Neueinführungen der letzten 36 Monate) im Frühjahr 2018 doppelt so hoch wie der für alle im Markt angebotenen Patent-Arzneimittel. Eine besondere Umsatzdynamik geht zudem auch von der Gruppe von Arzneimitteln gegen seltene Erkrankungen, den sogenannten Orphan Drugs, aus: Diese entwickeln sich trotz ihrer (ursprünglichen) Auszeichnung als Arzneimittel gegen seltene Erkrankungen vermehrt zu Blockbustern und nehmen mittlerweile rund acht Prozent des Gesamtumsatzvolumens ein. Der Report untersucht Ursachen dieser Entwicklung.   

Erstmals Kapitel zu Biosimilars

Erstmals widmet sich ein Kapitel auch den Nachahmerprodukten des wachsenden Marktes der Biologika, den sogenannten Biosimilars, von denen 2017 bereits Präparate zu zehn Wirkstoffen verfügbar waren. Obwohl der Verordnungsanteil der Biosimilars in diesen Märkten in 2017 weiter zugenommen hat, sind die Biosimilar-Quoten weit entfernt von denen des Generikamarktes. Zudem sind die Preisabstände zwischen Erst- und Zweitanbieterpräparaten bei Biosimilars vergleichsweise gering, sodass ein großer Anteil des Einsparpotenzials bisher ungenutzt bleibt.  

Vergleich mit anderen EU-Ländern

Nachdem in den letzten beiden Jahren durch europäische Preisvergleiche mit acht anderen EU-Ländern gezeigt wurde, dass die Preise für patentgeschützte Arzneimittel in Deutschland deutlich über dem europäischen Niveau liegen, untersucht ein Beitrag in diesem Report die unterschiedlichen Regularien zu Marktzugang, Erstattung und Preissetzung neuer patentgeschützter Arzneimittel in der Europäischen Union. So zeigt sich, dass sich diese in Deutschland in einigen relevanten Punkten von denen in anderen Ländern unterscheiden. Einzigartig im europäischen Umfeld ist die Möglichkeit des sofortigen Markteintritts nach Zulassung. Das Arzneimittel ist im ersten Jahr grundsätzlich erstattungsfähig und kann von einem pharmazeutischen Unternehmer zu einem beliebigen Preis angeboten werden.

Inhalte des Arzneiverordnungs-Reports

  • Allgemeine Verordnungs- und Marktentwicklung
  • Zulassungsverfahren
  • Neue Arzneimittel
  • Biosimilars
  • Analysen von Trends und Marktsegmenten
  • Ergebnisse des AMNOG-Erstattungsbetragsverfahrens
  • Marktzugang, Erstattung und Preissetzung neuer, patentgeschützter Arzneimittel in der Europäischen Union
  • Indikationsgruppenbezogene Besprechungen
  • Zahnärztliche Verordnungen
  • Methodisch-statistischer Anhang

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