Arzneiverordnungs-Report 2019

Arzneimittelverbrauch in Deutschland

Die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen lagen 2018 inklusive der Zuzahlung der Versicherten bei 41,2 Milliarden Euro, ein deutliches Plus von 1,2 Milliarden Euro oder 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch wenn die Ausgaben für stationäre Behandlungen den größten Posten darstellen, weisen die Ausgaben für Arzneimittel seit 2000 mit einem Zuwachs von 93 Prozent, also nahezu einer Verdopplung der Ausgaben, die stärkste Steigerung auf. 

Die Datenbasis der gesamten Analysen im Arzneiverordnungs-Report 2019 besteht seit dem Arzneiverordnungs-Report 2018 nicht mehr nur aus verordneten Fertigarzneimitteln und Hilfsmitteln, sondern wurde in allen Auswertungen um die in Apotheken aus Fertigarzneimitteln hergestellten sogenannten parenteralen Zubereitungen erweitert. Dies trägt der Relevanz dieses Marktsegments Rechnung – seit 2012 ist dieser Markt um 60 Prozent gewachsen und umfasst mittlerweile einen Anteil von 10,4 Prozent gemessen am Gesamtumsatz.

Umsatzanstieg durch Verordnung teurerer Produkte

Trotz rückläufiger Verordnungen im Jahr 2018 und eines anhaltenden negativen Preiseffekts stieg der Arzneimittelgesamtumsatz um 3,3 Prozent (1,4 Milliarden Euro) auf 42,8 Milliarden Euro. Dabei ist diese Umsatzdynamik vor allen Dingen durch die Strukturentwicklung, der Verschiebung hin zur Verordnung von teureren Produkten, getrieben. Diese Strukturkomponente allein verursachte einen Umsatzanstieg von knapp 2,2 Milliarden Euro, was einer Umsatzsteigerung von 5,4 Prozent entspricht. 

Diese teuren Arzneimittel sind vor allem im Markt der neuen, patentgeschützten Arzneimittel zu finden. Wie der Arzneiverordnungs-Report zeigt, haben sich diese Preise seit 2011 von denen des gesamten Marktes für patentgeschützte Arzneimittel entkoppelt. Während sie 2011 noch annähernd ähnlich waren, war der durchschnittliche Preis für eine Packung eines neuen Arzneimittels (Neueinführungen der letzten 36 Monate) im Frühjahr 2019 doppelt so hoch wie der für alle im Markt angebotenen Patent-Arzneimittel.

Orphan-Arzneimittel weiterhin auf dem Vormarsch

Eine besondere Umsatzdynamik geht zudem auch von der Gruppe von Arzneimitteln gegen seltene Erkrankungen, den sogenannten Orphan Drugs, aus: Diese entwickeln sich trotz ihrer (ursprünglichen) Auszeichnung als Arzneimittel gegen seltene Erkrankungen vermehrt zu Blockbustern und nehmen mittlerweile rund neun Prozent der Gesamtnettokosten ein. Viele der bereits in der Pipeline der Hersteller stehenden Orphan-Arzneimittel haben das Potential eines weiteren Blockbusters, sodass Orphan-Arzneimittel eine immer wichtigere Rolle im Umsatzgeschehen des GKV-Marktes spielen. Der Report untersucht die Ursachen dieser Entwicklung in einem eigenen Kapitel.

Biosimilars-Preisvergleich mit anderen EU-Ländern

Nachdem in den letzten beiden Jahren durch europäische Preisvergleiche mit acht anderen EU-Ländern gezeigt wurde, dass die Preise für patentgeschützte Arzneimittel in Deutschland deutlich über dem europäischen Niveau liegen, untersucht ein Beitrag in diesem Report den Markt der Biosimilars. In Biosimilars werden hinsichtlich ihres Einsparpotenzials hohe Erwartungen gesetzt. Ein Preisvergleich von sechs biologischen Wirkstoffen mit Biosimilarwettbewerb in 15 europäischen Ländern zeigt, dass hohe Einsparungen für den GKV-Markt möglich sind, wenn man die günstigeren Preise anderer europäischer Länder auf Deutschland überträgt. Allein für die sechs untersuchten Wirkstoffe liegt das Potential bei bis zu 1,2 Mrd. Euro. 

Inhalte des Arzneiverordnungs-Reports

  • Allgemeine Verordnungs- und Marktentwicklung
  • Zulassungsverfahren
  • Neue Arzneimittel
  • Biologika und Biosimilars
  • Orphan-Arzneimittel
  • Analysen von Trends und Marktsegmenten
  • Ergebnisse des AMNOG-Erstattungsbetragsverfahrens
  • Biosimilars in Deutschland und im europäischen Vergleich
  • Indikationsgruppenbezogene Besprechungen
  • Methodisch-statistischer Anhang

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