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Wissenschaftliches Institut der AOK


Kapitel 16 – Versorgungs-Report 2015/2016 – Abstract

                 

               

Der Beitrag untersucht die Inanspruchnahme von Psycho- und Pharmakotherapie durch Patienten mit einer Erstmanifestation einer depressiven Episode. Dabei orientieren sich die Autoren an den QiSA-Qualitätsindikatoren für die ambulante Versorgung für Patienten mit Depression und befassen sich vor allem mit der Frage, von wem und mit welchen therapeutischen Angeboten Patienten innerhalb von zwei Jahren nach einer inzident dokumentierten Depression versorgt wurden. Dazu wurden die Routineabrechnungsdaten von AOK-Versicherten analysiert, die im Jahr 2011 eine neu erkannte und dokumentierte Depressionsdiagnose erhielten.

 

Der Großteil der AOK-versicherten Patienten mit Depression wurde ambulant versorgt, vorwiegend durch Hausärzte. Etwa ein Drittel der Patienten mit schwerer Depression wird ausschließlich hausärztlich versorgt. Gleichzeitig wurden 20 % der Patienten mit leichter bzw. unspezifischer Depression ausschließlich psychiatrisch bzw. psychotherapeutisch („fachärztlich“) versorgt. Etwa die Hälfte der Patienten nahm innerhalb von zwei Jahren eine antidepressive Pharmakotherapie in Anspruch (QiSA-Indikator 5), in der Gruppe der Patienten mit schwerer Depression lag dieser Anteil bei 70 %. Von den Patienten mit leichten Depressionen wurden 40 % pharmakologisch behandelt, obwohl die Leitlinienempfehlung vorsieht, Antidepressiva nicht generell zur Erstbehandlung bei leichten depressiven Episoden einzusetzen. Die Dauer der pharmakologischen Therapie erschien im Durchschnitt über alle Schweregrade lediglich bei 25 % der Patienten ausreichend lang (QiSA-Indikator 6). Hausärztliche betreute Patienten erreichten dies seltener als fachärztlich betreute. Bei einer gemeinsamen Behandlung durch Haus- und Fachärzte wurden jedoch 52 % ausreichend lange behandelt, insbesondere Patienten mit schwerer Depression (59 %). Eine sog. „Richtlinienpsychotherapie“ nahmen 9 % der Patienten in Anspruch, 27 % nicht antragspflichtige, aber sog. „fachgebundene“ psychotherapeutische Gesprächsleistungen und bei 74 % wurde mindestens eine Leistung aus der sog. „psychosomatischen Grundversorgung“ abgerechnet (QiSA-Indikator 7). Lediglich 11 % der ambulant versorgten Patienten mit schwerer Depression erhielten die empfohlene Kombinationstherapie aus Psychotherapie und einem Antidepressivum (QiSA-Indikator 8). Gänzlich ohne spezifische Therapie waren 7 % der Patienten mit schwerer Depression. Die Bestimmung der Anteile nicht depressionsfachspezifisch versorgter (hausärztlich betreuter) Patienten mit anhaltender Depression (QiSA-Indikator 8) hängt stark vom Quantifizierungsansatz für anhaltende/chronische Depression auf der Basis von Routinedaten ab. Der Einsatz von Anxiolytika, Hypnotika und Sedativa ist bei Patienten mit Depression weit verbreitet (QiSA-Indikator 10).

 

 

Ansprechpartner

Christian Günster

Tel. 030/34646-2128

christian.guenster(at)wido.bv.aok.de

 

Bettina Gerste

Tel. 030/34646-2119

bettina.gerste(at)wido.bv.aok.de