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Wissenschaftliches Institut der AOK


Kapitel 18 – Versorgungs-Report 2015/2016 – Abstract

                 

               

Dieser deskriptiv ausgerichtete Beitrag gibt einen Überblick über die Diagnosehäufigkeit von Erkrankungen im Jahr 2012. Darüber hinaus wird die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen in den Bereichen stationäre Versorgung, ambulante ärztliche Versorgung, Arzneimittel- und Heilmittelversorgung der Jahre 2006 bis 2012 dargestellt, um zeitliche Trends in den vier ausgabenwirksamsten Leistungssektoren des Gesundheitswesens aufzuzeigen. Die in Teil A beschriebenen methodischen Details – Datenbasis, Alters- und Geschlechtsstandardisierung, Verfahren zur Diagnosevalidierung, Berechnung von Behandlungsprävalenzen und Inzidenzen – gelten dabei sowohl für diesen Beitrag als auch für die empirischen Beiträge des aktuellen Versorgungs-Reports. Die vorliegenden Auswertungen basieren auf den Routinedaten von mehr als 24 Mio AOK-Versicherten, die ein gutes Drittel der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und rund 31 Prozent der deutschen Bevölkerung repräsentieren.  Die Leistungsdaten der AOK-Versicherten stellen somit eine äußerst umfangreiche Informationsbasis dar, die für intersektorale Versorgungsanalysen und Gesundheitsberichterstattung nutzbar ist und weit über Primärerhebungen wie z. B. den Mikrozensus oder den Bundesgesundheits-Survey hinausgeht.

 

Die Nutzung von Routinedaten im Gesundheitswesen hat eine lange Tradition. Neben ersten regionalen Analysen in den 1980er Jahren sind beispielsweise die Versichertenstichprobe der AOK Hessen/KV Hessen, die Fallzahlenanalysen der AOK Sachsen-Anhalt sowie die Berichterstattung verschiedener Krankenkassen zu nennen (Bitzer et al. 2014; Grobe 2014; Grobe et al. 2014; Schubert et al. 2008; Swart et al. 2008). Zunehmend gewinnen Routinedaten auch für die Qualitätssicherung im Gesundheitswesen an Bedeutung (Klauber et al. 2014). Routinedaten sind nicht nur schnell und mit geringem Aufwand verfügbar, sie liegen auch für alle Versicherten vollständig vor, da sie notwendiger Bestandteil der Abrechnung von Leistungen zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern sind (Swart et al. 2014). Damit heben sich Routinedaten von Survey-basierten Primärerhebungen ab, die häufig mit Non-Response und Ausfallraten konfrontiert sind. Als Beispiel sei die Kiggs-Studie genannt, in deren Basiserhebung eine Response von 66,6 % erreicht wurde (siehe Kapitel 1 in diesem Band).

 

Gleichwohl darf der Entstehungskontext der Routinedaten nicht übersehen werden. Routinedaten von gesetzlichen Krankenversicherungen erheben keinen Anspruch auf Repräsentativität (Hoffmann und Icks 2012; Jaunzeme et al. 2013) und die Kodierqualität der für die Versorgungsforschung besonders interessierenden Diagnosedaten variiert (Gerste und Gutschmidt 2006; Giersiepen et al. 2007; IGES Institut 2012; Klaus et al. 2005; Ozegwoski 2012). Im stationären Bereich wurden mit der Einführung der diagnose-orientierten Fallpauschalen (DRGs) vielfältige Maßnahmen ergriffen, um die Vollständigkeit und Qualität der Diagnosestellungen zu verbessern. Zu nennen sind hierbei Kodierrichtlinien, Diagnoseprüfung durch die Medizinischen Dienste der Krankenkassen und oftmals eigens geschultes Kodierpersonal in den Kliniken. Inzwischen basieren weite Teile der amtlichen Gesundheitsberichterstattung für den stationären Sektor auf Routinedaten (Statistisches Bundesamt 2011a; 2011b). Für den ambulanten Bereich steht dieser Prozess wieder am Anfang, da die Einführung ambulanter Kodierrichtlinien (AKR) zum 01. Juli 2011 ausgesetzt wurde. Nach dem Versorgungsstrukturgesetz (VStG) entfiel die verpflichtende Anwendung der AKR. Dennoch ist die Bedeutung der Diagnosekodierung durch die Einführung des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs und der an die Morbiditätsentwicklung geknüpften Entwicklung ärztlicher Honorare auch im ambulanten Sektor gestiegen.

Ansprechpartner

Christian Günster

Tel. 030/34646-2128

christian.guenster(at)wido.bv.aok.de

 

Bettina Gerste

Tel. 030/34646-2119

bettina.gerste(at)wido.bv.aok.de

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