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Wissenschaftliches Institut der AOK


Kapitel 6 – Versorgungs-Report 2015/2016 – Abstract

                 

Christiane Roick und Andrea Waltersbacher

 

Hyperkinetische Störungen (HKS, ICD-10 F90) gehören zu den häufigsten kodierten psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Zu ihrer Prävalenz wurden in den letzten Jahren auf Basis von Routinedaten oder Bevölkerungsbefragungen mehrere Studien veröffentlicht, deren Ergebnisse sich aber teilweise deutlich unterscheiden. Der vorliegende Beitrag gibt anhand von
AOK-Daten Aufschluss über die administrative HKS-Prävalenz in Deutschland im Jahr 2013, über die Entwicklung der Prävalenzraten seit 2006, die medikamentöse Behandlung der Erkrankung sowie über regionale Unterschiede in der Prävalenz und Medikation. Dabei werden erstmals für eine routinedatenbasierte Analyse auch Daten aus ambulanten Einrichtungen, die nicht nach EBM abrechnen, erfasst.
Unter Berücksichtigung dieser Institutionen ergibt sich für Kinder unter 18 Jahren im Jahr 2013 eine HKS-Prävalenz von 4,9 %. Die HKS-Prävalenz steigt seit 2006 kontinuierlich an, die Kurve flacht jedoch nach 2008 zunehmend ab. Da Studien auf Basis standardisierter Diagnosekriterien gegen eine Zunahme der tatsächlichen Prävalenz der Erkrankung sprechen, ist zu vermuten, dass früher unterdiagnostizierte HKS heute besser erkannt werden und dass Aufmerksamkeitsdefizitstörungen (ADS) in den letzten Jahren immer seltener der unspezifischen Sammeldiagnose ICD-10 F98.8 zugeordnet, sondern zunehmend als HKS (ICD-10 F90) kodiert werden.
2013 erhielten 40,2 % aller Kinder zwischen 6 und 17 Jahren, bei denen eine HKS diagnostiziert wurde, mindestens eine Verordnung eines HKS-spezifischen Medikaments. Bei allen Kindern mit HKS, aber insbesondere bei Mädchen und jüngeren Schulkindern wurden 2013 seltener HKS-spezifische Medikamente angesetzt als 2006, aber wenn die Entscheidung zu einer Verordnung getroffen wurde, dann erfolgte die Medikamentengabe in den letzten Jahren langfristiger und/oder in höherer Dosis als früher.
In den neuen Bundesländern ist eine überdurchschnittliche HKS-Prävalenz, aber eine unterdurchschnittliche Verordnungsrate HKS-spezifischer Medikamente zu verzeichnen. In den drei Stadtstaaten und anderen großstädtischen Regionen liegen sowohl die administrative Prävalenz als auch die Verordnungsraten unter dem Bundesdurchschnitt.

Ansprechpartner

Christian Günster

Tel. 030/34646-2128

christian.guenster(at)wido.bv.aok.de

 

Bettina Gerste

Tel. 030/34646-2119

bettina.gerste(at)wido.bv.aok.de

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