Die gegenwärtige Debatte über die Reform der sozialen Pflegeversicherung rückt auch die Frage nach der Risiko- und Lastenverteilung im dualen System der Pflegeversicherung erneut in den Fokus. Zuletzt wurde argumentiert, ein Finanzausgleich mit der privaten Pflegepflichtversicherung (PPV) sei für die Soziale Pflegeversicherung (SPV) kaum wirksam oder sogar nachteilig, da die PPV aufgrund ihrer alternden Versichertenstruktur künftig stärker belastet werde. Die aktuellen Analysen des WIdO zeigen empirisch: Trotz inzwischen ungünstigerer Altersstruktur weist die PPV weiterhin deutlich niedrigere Pflegeprävalenzen und Ausgaben je Versicherten auf: Weiterhin sind die Pflegeprävalenzen und Leistungsausgaben nur in etwa halb so hoch wie in der SPV. Dieser Befund widerspricht der These, dass demografische Alterung automatisch zu einer Angleichung der Risiko‑ und Kostenprofile führt. Ausschlaggebend sind vielmehr selektive Zugangsmechanismen zur privaten Kranken- und Pflegeversicherung, die zu einer Konzentration günstiger Risiken in der PPV und belasteter Bevölkerungsgruppen in der SPV führen. Die Analyse des WIdO erscheint als Print in G+G Wissenschaft 2026 Nr. 3 und ist online schon jetzt abrufbar >>>.
Kennzahlen zu sozialer Pflege- und privater Pflegepflichtversicherung 2005 und 2024 |