Analysen zum Arzneimittelmarkt

Auf Basis von Verordnungsdaten der über 60.000 verschiedenen Arzneimittel für über 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherte analysiert das WIdO die Entwicklung der Preise und der Menge der in Deutschland verordneten Medikamente. So ermöglichen differenzierte Analysen der Verordnungen nach Marktsegmenten, die Ursachen für steigende Arzneimittelausgaben zu ermitteln und Wirtschaftlichkeitspotenziale zu identifizieren. Daraus lassen sich Hinweise für eine effizientere Mittelverwendung bei gleichbleibend hoher Qualität der Arzneimittelversorgung ableiten. Beispielsweise veröffentlicht das Team des GKV-Arzneimittelindex im WIdO monatlich die Preisentwicklung im deutschen Arzneimittelmarkt für mehrere Marktsegmente.

Mehr Transparenz im Marktgeschehen

Darüber hinaus ermöglicht der PharMaAnalyst die frei zugängliche Auswertung der Arzneimittel-Verordnungsdaten der GKV und bietet Antworten auf Fragen zu Verordnungsmengen und den verursachten Kosten bestimmter Arzneimittel, Wirkstoffe oder Wirkstoffgruppen. Auch der jährlich erscheinende Arzneiverordnungs-Report trägt zur Transparenz des Arzneimittelmarktes und somit sowohl zu einer evidenzbasierten, zweckmäßigen und sicheren als auch wirtschaftlichen Arzneitherapie bei.

Vergleich der Arzneimittelpreise in Europa

Die Preise für Patentarzneimittel in Deutschland steigen seit Jahren an. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob Arzneimittelpreise in Deutschland höher als in anderen europäischen Ländern sind. Gemeinsam mit der Technischen Universität Berlin widmet sich das WIdO dieser Forschungsfrage.

So zeigt ein Vergleich, dessen Ergebnisse zuletzt im Arzneiverordnungs-Report 2017 erschienen sind, dass Arzneimittel in Deutschland deutlich mehr als in anderen europäischen Ländern kosten. Selbst unter Berücksichtigung der hierzulande geltenden gesetzlichen Abschläge und Rabatte belegt Deutschland der Auswertung zufolge den Spitzenplatz im Marktsegment der patentgeschützten Arzneimittel. Der Vergleich macht gleichzeitig deutlich, dass die GKV im Patentmarkt Einsparungen in Milliardenhöhe realisieren könnte. Nach konservativer Schätzung, die auf bereits um Rabatte und Abschläge reduzierten Preisen basiert, beträgt das Einsparpotenzial 1,5 Milliarden Euro.

Deutsche Arzneimittelpreise belegen Spitzenplatz in Europa

Die Preise für patentgeschützte Arzneimittel liegen in acht europäischen Ländern unter denen in Deutschland. In Schweden beispielsweise betragen die adjustierten Listenpreise der Hersteller nur 65 Prozent des deutschen Preisniveaus. Werden die öffentlichen Listenpreise in Deutschland um gesetzliche Abschläge und Rabatte reduziert, so sind patentgeschützte Medikamente in Schweden immer noch um 24 Prozent günstiger als hierzulande. Das Wissenschaftliche Institut der AOK und die Technische Universität Berlin haben für ihren Vergleich Unterschiede in der Kaufkraft der Länder berücksichtigt.

Die für den Vergleich angewendete Methodik wurde im Rahmen einer Pilotstudie entwickelt. Die Methodik berücksichtigt die unterschiedlichen Währungen und die Unterschiede in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit sowie der Kaufkraft der Länder. Da in den betrachteten Ländern der Europäischen Union (Dänemark, Schweden, Finnland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Niederlande und Österreich)  unterschiedliche Steuersätze oder Vertriebskosten für Apotheken und Großhandel gelten, werden anstatt der reinen Verkaufspreise nur die vom Hersteller gelisteten Abgabepreise zu einem bestimmten Stichtag für einen Vergleich herangezogen. Unberücksichtigt bleiben die in den meisten europäischen Ländern gewährten vertraulichen Rabatte.

Als Warenkorb für den Vergleich ermittelten die Wissenschaftler die 250 umsatzstärksten patentgeschützten Arzneimittel, die 98,5 Prozent des GKV-Umsatzes aller Patent-Arzneimittel abdecken. Das durchschnittliche adjustierte Preisniveau dieses Warenkorbs in den einzelnen Vergleichsländern lässt sich als Preisindex darstellen. Dieser Index liegt für alle Länder zwischen 18 Prozent (Finnland) und 35 Prozent (Schweden) unterhalb des deutschen Preisniveaus (ohne Berücksichtigung der gesetzlichen Abschläge und Rabatte).

Pilotstudie: Preise patentgeschützter Arzneimittel im europäischen Vergleich

In der 2016 erschienenen Studie des WIdO und der Technischen Universität Berlin wurden die Preise für die umsatzstärksten patentgeschützten Arzneimittel in Deutschland im Februar 2015 mit denjenigen aus fünf anderen Ländern – Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Niederlande und Österreich – verglichen.