Versorgung und Strukturen im Krankenhaussektor

Im internationalen Vergleich verfügt Deutschland über eine hohe Anzahl von stationären Leistungsanbietern und aufgestellten Betten je Einwohner. Mehr als die Hälfte der rund 1.600 allgemeinen Krankenhäuser in Deutschland hat weniger als 200 Betten. In der Konsequenz ergibt sich eine hohe Dichte von vergleichsweise kleinen Einrichtungen.

Die Einführung der G-DRGs seit 2003 ist nur eingeschränkt mit einer stärkeren Spezialisierung der Kliniken und Zentralisierung von Leistungen einhergegangen. Krankenhäuser haben in Deutschland ein sehr breites Leistungsspektrum: Im Jahr 2016 vereinbarte die Hälfte aller Krankenhäuser jeweils mindestens die Hälfte aller möglichen Basis-DRGs. In der Folge werden auch sehr komplexe Leistungen in vielen Krankenhäusern in sehr kleinen Mengen erbracht, was in ökonomischer und vor allem qualitativer Hinsicht nachteilig ist: So ist zum Beispiel für eine Vielzahl an Indikationen ein positiver Zusammenhang zwischen Eingriffshäufigkeit und Qualitätdurch eine breite Studienlage belegt. Die Versorgung in Zentren mit größeren Fallzahlen und entsprechender Erfahrung bietet Patienten klare Vorteile.

WIdO analysiert Fragen nach Zentralisierung und Spezialisierung

Mit dem Krankenhausstrukturgesetz haben Themen der qualitätsorientieren Versorgungsgestaltung und des damit verbundenen Strukturwandels der Krankenhauslandschaft nochmals an Bedeutung gewonnen. Das WIdO beschäftigt sich in diesem Kontext unter anderem mit Fragen nach der Zentralisierung von Leistungen und Spezialisierung von Krankenhäusern, der Wettbewerbssituation in der stationären Versorgung und den potenziellen Auswirkungen von perspektivischen Umstrukturierungen auf die Erreichbarkeit von Krankenhäusern. Mit seinen Analysen will das WIdO positive Impulse für eine zukunftsfähige Krankenhausstruktur setzen.

Erreichbarkeit von Kliniken mit mindestens 150 Hüftimplantationen pro Jahr

2015 gab es bundesweit rund 226.000 Hüftoperationen. Bei einer Mindestmenge von 150 Eingriffen würden diese Leistung nicht mehr wie bisher 1.240 Kliniken, sondern noch 562 Häuser (45,3 Prozent) erbringen. 24,2 Prozent der Fälle (55.000) sind bei diesem Szenario auf die verbleibenden Häuser umzuverteilen. Dadurch erhöht sich die mittlere Fallzahl der verbleibenden Häuser von 304 auf 401 pro Jahr.

Nach einer derartigen Umverteilung läge der mittlere Fahrweg bis zum nächsten Krankenhaus, das Hüftoperationen vornimmt, bundesweit nur bei 13 Kilometern. In Nordrhein-Westfalen wären das sogar nur neun Kilometer. Lediglich in Mecklenburg-Vorpommern müssten Patienten im Mittel 27 Kilometer bis zur nächsten Klinik fahren. Einen Fahrweg von mehr als 50 Kilometern hätten nur 0,7 Prozent der Bundesbevölkerung.