Krankenhaus-Report 2015

Schwerpunkt: Strukturwandel

Mit der Einführung der DRGs wurde mehr Leistungstransparenz gewonnen und die Produktivität der Krankenhäuser gesteigert. Der parallel erwartete Strukturwandel ist jedoch weitgehend ausgeblieben. Krankenhausschließungen, Zentralisierung und Spezialisierung als marktwirtschaftliche Effekte geschahen nur in überschaubarem Umfang. Aber auch von politischer Seite blieben Bemühungen um einen Strukturwandel aus. Stattdessen steht die Krankenhausplanung wegen ihrer unzureichenden Gestaltungskraft und Mängeln in der Investitionsfinanzierung zunehmend in der Kritik. Ökonomische und Versorgungsindikatoren zeigen aber an, dass ein Strukturwandel immer notwendiger wird.

Inhaltsverzeichnis

Teil I Schwerpunktthema: Strukturwandel

Strukturwandel in der stationären Versorgung

Antonius Reifferscheid, Natalie Pomorin, Dominik Thomas und Jürgen Wasem

Dieser Beitrag bietet einen breiten Überblick über den Themenkomplex „Krankenhausstruktur im Wandel“. Angesichts der historischen Entstehung des Krankenhaussektors, der heterogenen Krankenhausplanung und des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs unter DRG-Bedingungen ist es nicht verwunderlich, dass die heutige Krankenhauslandschaft einen hohen Optimierungsbedarf aufweist. Auch durch demografische, medizinisch-technische sowie regionale Entwicklungen ist es notwendig, die stationären und sektorübergreifenden Versorgungsstrukturen zielgerichtet weiterzuentwickeln, um den zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden.

Stationäre Kapazitätssteuerung im internationalen Vergleich

Alexander Geissler und Reinhard Busse

Die Planung und Steuerung von stationären Kapazitäten wird in vielen Ländern reguliert. Dies geschieht jedoch äußerst unterschiedlich, ausgehend von nationalen Gesundheitszielen, dem vorhandenen Grad politischer Dezentralisierung, einer differierenden Planungsbreite beziehungsweise -tiefe sowie unter Zuhilfenahme verschiedenster Investitionsfinanzierungsansätze. Dabei rückt die Leistungssteuerung in den Mittelpunkt der Kapazitätsplanung einiger Länder, um die Grundversorgung wohnortnah und eine Spezialversorgung in ausgewählten und mit der notwendigen Kompetenz und Ausstattung versehenen Standorten zu gewährleisten.

Die Ausgangslage für eine Strukturbereinigung: Fahrzeiten, Krankenhauserreichbarkeit und -kapazitäten

David Scheller-Kreinsen und Franz Krause

Große öffentliche Aufmerksamkeit in der anstehenden Strukturreform für die somatische Krankenhausversorgung erfährt die Frage, wie schnell ein Krankenhaus erreicht werden kann beziehungsweise erreicht werden sollte. Der Beitrag untersucht hierzu drei ausgewählte Ausgangsparameter. Die Analysen zeigen: Die Erreichbarkeit von somatischen Grundversorgern ist sehr gut. Klar wird auch: Patientenpräferenzen aufgrund vermuteter oder tatsächliche Qualitäts- beziehungsweise Strukturunterschiede zwischen Krankenhäusern und das Ein- und Zuweiserverhalten sind schon heute sehr wichtige Parameter, die den Ort der Krankenhausbehandlung beeinflussen. Die Bestandsaufnahme belegt zudem, dass unabhängig von der räumlichen und der siedlungsstrukturellen Lage die Bettenauslastung fast im gesamten Bundesgebiet deutlich unterhalb von 85 Prozent liegt. Es existieren Kapazitätsreserven.

Der Strukturwandel im Krankenhausmarkt am Beispiel Bayerns: Unterschiede im Querschnitt und Entwicklungen im Zeitverlauf

Florian Rinsche und Andreas Schmid

Die Zentralisierung der Leistungserbringung kann einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Qualität und Wirtschaftlichkeit leisten. Zugleich darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass mittelfristig auch negative Anreize entstehen, wenn kaum mehr alternative Anbieter in einem regionalen Markt vertreten sind. Ausgehend von einem Blick in die Literatur, die potenzielle schädliche Auswirkungen derartiger Konzentrationsprozesse auf die Qualität illustriert, analysiert der vorliegende Beitrag die Zugangsmöglichkeiten zur stationären Versorgung aus Sicht der Patienten am Beispiel Bayerns. Dabei wird im Quer- wie im Längsschnitt deutlich, dass sich die Thematik einer pauschalierenden Bewertung entzieht. Neben den gravierenden Unterschieden zwischen städtischen und ländlichen Regionen stellt sich die Situation auch bezogen auf einzelne Indikationen äußerst heterogen dar. Für einzelne Indikationen kann jedoch festgestellt werden, dass Patienten, die beispielsweise aus Qualitätsgründen das nächstgelegene Krankenhaus nicht in Anspruch nehmen wollen, außerhalb der Ballungsräume deutliche Zusatzdistanzen in Kauf nehmen müssen. Der Qualitätsanreiz für das nächstgelegene Krankenhaus nimmt damit ab.

Notfallversorgung im stationären Sektor

Theresa Huke und Bernt-Peter Robra

Im Zeitraum 2005 bis 2012 sind die Raten stationärer Aufnahmen mit dem Aufnahmeanlass „Notfall“ (Notfallaufnahmen pro 100.000 Einwohner) in Deutschland von 6.492 auf 9.211 pro 100.000 Einwohner oder um 42 Prozent gestiegen. Ein Anstieg findet sich unterschiedlich ausgeprägt in allen Bundesländern. Die geringsten Notfallraten hat Baden-Württemberg. 2012 wurde ein Anteil von fast 42 Prozent aller Krankenhausfälle als Notfälle ausgewiesen. Die Entwicklung lässt sich durch demografische Prozesse allein nicht erklären. Nach einer Sonderauswertung von AOK-Daten werden 63 Prozent der Notfälle tagsüber (sechs bis unter 18 Uhr) aufgenommen. Mit Daten der AOK Sachsen-Anhalt konnten Notfallaufnahmen und reguläre Krankenhauseinweisungen miteinander verglichen werden. Herz-Kreislauf-Krankheiten, Alkoholprobleme und unspezifische Symptome waren neben Unfällen am Notfallgeschehen wesentlich beteiligt. Notfallpatienten sind im Durchschnitt zwei Jahre älter als regulär eingewiesene Patienten (64 gegen 62 Jahre). Ihre durchschnittliche Verweildauer lag etwas unter der der regulär eingewiesenen Patienten, die Kosten pro Fall etwas darunter. Mit Krankenhausleitungen wurden mögliche Determinanten einer Zunahme von Krankenhausaufnahmen ohne Einweisung diskutiert. Das Problemfeld verlangt ein besseres Verständnis der Erwartungen, die Patienten an die Akutversorgung richten, vertiefende Untersuchungen der Versorgungsprozesse vor der ambulant-stationären Schnittstelle und in der Abrechnung eine bessere Unterscheidung zwischen akut hilfebedürftigen „Blaulichtfällen“ und Patienten, die ein Krankenhaus ohne Überweisung in Anspruch nehmen.

Organisation der Notfallversorgung in Dänemark: Lösungsansätze für deutsche Probleme?

Boris Augurzky, Andreas Beivers, Matthias Giebner und Alexander Kirstein

In Deutschland ändern sich die Anforderungen an die Notfallmedizin bedingt durch den geodemografischen Wandel und neue medizinische Anforderungen. Die Betrachtung der Notfallversorgung in Dänemark zeigt, dass interessante Vorbilder existieren. Dort wurde in den 00er Jahren das Konzept der „Zentralen Notaufnahmen” entwickelt und die Zahl der Krankenhäuser mit Notaufnahmen reduzierte sich von 56 auf 27. Mit wenigen, aber dann größeren „Notfallzentren“ sollte eine qualitativ hochwertige Notfallversorgung sichergestellt werden. Dabei ist zu bedenken, dass die Einwohnerdichte Dänemarks sogar nur 128 Einwohner pro km² beträgt, in Deutschland dagegen 230 pro km². Mithin ist in Deutschland ebenfalls ein großes Potenzial vorhanden, Notaufnahmen kleinerer Klinikstandorte auf größere Einheiten zu konzentrieren – bei gleichzeitigem Abbau der Vorhaltung an kleineren und Zusatzinvestition an größeren Standorten. Für Deutschland bedeutet dies, dass die Notfallversorgung adäquat definiert, finanziert und anreizkompatibel in das Vergütungssystem implementiert werden muss, um Fehlanreize zu vermeiden. Die Organisation und Sicherstellung einer hochqualitativen Notfallversorgung ist eine Grundvoraussetzung für eine effiziente Neuorganisation des deutschen Gesundheitswesens. Aus diesem Grund sollte die Notfallversorgung auch stärker in den Fokus einer qualitätsorientierten Krankenhausplanung rücken.

Die Bedeutung der Universitätskliniken in der regionalen und überregionalen Versorgung

Ralf Heyder

Gemeinsames Alleinstellungsmerkmal aller deutscher Universitätsklinika ist ihre akademische Prägung durch Forschung und Lehre in allen Bereichen der Krankenversorgung. Gleichwohl unterscheiden sich die 33 deutschen Universitätsklinika hinsichtlich ihrer Funktion in der regionalen und überregionalen Versorgung, ihres Wettbewerbsumfeldes und ihres Leistungsspektrums. Dieser Beitrag charakterisiert die Rolle der Universitätsklinika in der deutschen Krankenhauslandschaft. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf ihrer Rolle als überregionale stationäre Versorgungszentren.

Strukturwandel aus Patientenperspektive

Max Geraedts und Werner de Cruppé

Strukturwandel im Krankenhaussektor wird von Patienten zumeist als Einschränkung des Wahlangebots wahrgenommen, die oft mit einer längeren Fahrzeit zum nächstgelegenen Krankenhaus einhergeht. Ob Patienten diesen Aspekt überhaupt für wichtig erachten, ob also die Nähe zum Wohnort als Auswahlkriterium für Krankenhäuser eine wichtige Rolle spielt, wird zum einen auf der Basis der internationalen Literatur und von Befragungsstudien aus Deutschland und zum anderen mit Hilfe von Sekundärdaten der AOK untersucht. Dabei zeigt sich, dass Patienten wohnortnahe Krankenhäuser zwar zumeist bevorzugen, jedoch ein Großteil der Patienten bei erhöhtem Behandlungsrisiko auch weitere Wege in Kauf nimmt. Abhängig vom Patientenalter und der Dringlichkeit und Art des Eingriffs wählen Patienten nur zu 38–60 Prozent das jeweils nächste Krankenhaus. Eine Verdopplung der Fahrzeit im Vergleich zum nächstgelegenen Krankenhaus nehmen je nach Eingriffsart sogar 14–34 Prozent der Patienten in Kauf. Andere Faktoren als die Nähe, vor allem die eigene Erfahrung mit einem Krankenhaus und dessen Ruf und Ausstattung, sind für viele Patienten bei der Krankenhauswahl wichtiger. Inwieweit ein breitflächiger Strukturwandel diese patientenorientierten Wahlkriterien beeinflusst, bleibt abzuwarten.

Zentrenbildung über Zertifizierung?

Holger Haas und Wolfram Mittelmeier

Die EndoCert-Initiative der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) ist ein Programm zur Zertifizierung medizinischer Einrichtungen für den Gelenkersatz. Dabei werden die Struktur-, Prozess- und Aspekte der Ergebnisqualität nach wissenschaftlich belegten Kriterien bewertet, für die ein Einfluss auf die erreichbare Versorgungsqualität der Patienten nachgewiesen ist. Bereits in den beiden durchgeführten Pilotphasen konnten an den beteiligten 23 Kliniken durch die Behebung von insgesamt 172 Abweichungen Verbesserungen erzielt werden. Nach der Freigabe des Systems im Oktober 2012 wurden bis Juli 2014 rund 400 Einrichtungen zertifiziert oder befinden sich vor dem Abschluss des laufenden Verfahrens. Neben der Vorstellung der Zielsetzung, konkreten Inhalte und Erfahrungen aus dem Regelbetrieb widmet sich der Beitrag auch der perspektivischen Rolle solcher Projekte bei der Gestaltung der stationären Versorgung in diesem Bereich.

Onkologische Behandlung – qualitätsorientierte Versorgungsreform zügig umsetzen

Jürgen Malzahn, Johannes Bruns und Carina Mostert

Die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe haben ein Zertifizierungsverfahren etabliert, das struktur- und prozessqualitative Parameter für die onkologische Versorgung festlegt. Mit Hilfe von Daten aus den Krebsregistern können beispielhaft für die Indikationen Brust- und Darmkrebs deutliche Hinweise gewonnen werden, dass die Behandlungsqualität in den zertifizierten Zentren und Netzwerke bessere Ergebnisse erzielt, als außerhalb dieser Strukturen. Zurzeit ist es jedoch aufgrund der Vergütungsstrukturen und der weitgehenden sektoral organisierten Versorgung nicht geregelt, dass betroffene Patienten nur in diesen Zentrumsstrukturen behandelt werden. Es gibt im Gegenteil eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten, die sich eher an gewachsenen Strukturen und Vergütungssystemen orientieren. Nachdem in den letzten zehn Jahren die stationäre Versorgung wesentlich durch die Anreize des DRG Systems beeinflusst worden ist, hat die Bundesregierung im Koalitionsvertrag nun die Qualität der Versorgung ins Zentrum ihrer gesundheitspolitischen Agenda gerückt. Um die Umsetzbarkeit einer qualitätsorientierten Strukturreform zu prüfen, wurden die Auswirkungen auf die Fahrtwege von betroffenen Patienten auf Basis von AOK-Daten untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass selbst unter vorsichtigen Annahmen eine ausschließliche Behandlung in den zertifizierten Zentren nur für wenige Patienten zu einer relevanten Fahrzeitverlängerung führen würde und somit eine an ergebnisqualitativen Parametern ausgerichtete Versorgungsreform umsetzbar wäre.

Qualitätsorientierte Krankenhausplanung

Jochen Metzner und Cornelia Winten

Krankenhausplanung ist eine notwendige und unverzichtbare staatliche Aufgabe, die nach dem Grundgesetz den Bundesländern zusteht. Diese Aufgabe erschöpft sich aber aktuell im Wesentlichen auf die Planung der Standorte, der Fachgebiete und zum Teil der erforderlichen Behandlungskapazitäten. Die meisten Bundesländer haben zudem eigene Strukturqualitätsvorgaben entwickelt und eigene Fachkonzepte veröffentlicht. Allerdings ist es aktuell noch nicht möglich, zu beurteilen, welche Krankenhäuser – und sei es auch nur in Teilbereichen – „gute“ oder „schlechte“ Qualität liefen, obwohl es eine Vielzahl von Qualitätsvorgaben gibt. Die Patienten sind hierfür auf mehr oder weniger vertrauenswürdige Portale angewiesen. Krankenhausplanung liefert hierfür keine Hilfestellung. Die grundlegenden bundesrechtlichen Normen des KHG stellen Qualitätsaspekte noch nicht in den Vordergrund.

Zukunftsgerichtete Krankenhausplanung muss neben die herkömmlichen Ziele der bedarfsgerechten Versorgung mit leistungsfähigen, eigenverantwortlich wirtschaftenden Krankenhäusern an Qualität und Patientensicherheit orientierte Ziele in den Vordergrund stellen. Hierfür sind bundes- und landesrechtliche Vorgaben zu verändern. Die Qualitätsoffensive der Großen Koalition auf Bundesebene mit der beabsichtigten Gründung des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen ist dazu ein erster Schritt. Weitere Schritte werden im Rahmen der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Krankenhausreform gegangen werden. Auf der Landesebene sind, wie aktuell in Hessen, eine Vielzahl von Möglichkeiten vorhanden, um die Patientensicherheit wirklich zu verbessern.

Krankenhausplanung am Scheideweg

Günter Neubauer und Andreas Gmeiner

Staatliche Krankenhausplanung steht in einem ordnungspolitischen Widerspruch zum DRG-Wettbewerb. Dies führt zu einer mangelnden Systemeffizienz. Auch ist die Investitionsfinanzierung der Länder generell insuffizient. Die bettenzentrierte Krankenhausplanung sollte auf eine Vergabe regionaler Versorgungsaufträge umzustellen. Für eine ausreichende Finanzierung der Krankenhausinvestitionen sollen zukünftig Bundesländer und Krankenkassen gemeinsam verantwortlich zeichnen. Als Kompensation sind die Krankenkassen an der Vergabeentscheidung zu beteiligen. Mittelfristig ist ein Umstieg von der Angebotsplanung zu einer Nachfragesteuerung anzustreben.

Marktaustritte sicherstellen – Zur Rolle rekursiver Simulationen bei der Strukturbereinigung im Krankenhaussektor

Wulf-Dietrich Leber und David Scheller-Kreinsen

Wer die Strukturbereinigung im stationären Sektor konkretisieren und realisieren will, muss wissen, welche Auswirkungen das Ausscheiden eines Krankenhausstandortes auf die Versorgung hat. Andernfalls könnte jedes beliebige Krankenhaus als zwingend bedarfsnotwendig deklariert werden. Vor diesem Hintergrund untersucht der vorliegende Beitrag Simulationen von Marktaustritten und Marktbereinigung durch Strukturanforderungen, wie zum Beispiel Mindestmengen. Jeder Marktaustritt schafft eine neue Situation. Daher müssen solche Simulationen rekursiv durchgeführt werden. Es entsteht damit Transparenz über bedarfsnotwendige Krankenhäuser und Marktaustrittskandidaten.

Reform und Reformbedarf in der Bedarfsplanung sowie fehlende sektorenübergreifende Ansätze

Patrick Garre, Birgit Schliemann und Karl-Heinz Schönbach

Gesundheitsversorgung gehört zum Kern sozialstaatlicher Daseinsvorsorge. In Deutschland erfolgt die Zulassung von Krankenhäusern nach Maßgabe einer Bedarfsplanung durch die Länder. Mit der Bedarfsplanung und Zulassung der ambulanten Ärzte hat der Staat die Kassenärztlichen Vereinigungen beauftragt. Der Beitrag stellt die Grundsätze der beiden Systeme vor, analysiert die Probleme und zeigt die Reformschritte auf. Die strikte Trennung der beiden Planungssysteme bedingt allokative Probleme. Rechtliche Grundlagen für eine „sektorenübergreifende“ Bedarfsplanung fehlen dagegen. „Gemeinsame Landesausschüsse“ dürfen lediglich Empfehlungen aussprechen. Da sich die medizinische Versorgung weithin ambulant teamorientiert entwickelt, stellt die Trennung der Planung, Zulassung und mit ihr verbundenen Finanzierungssysteme ein ungelöstes Problem der deutschen Gesundheitspolitik dar. Daher plädiert der Beitrag dafür, die Leistungen, die im Kern sektorenunabhängig erbracht werden können, nicht nur den Planungsprinzipien nach gleich zustellen, sondern bei den Vertrags- und Vergütungsprinzipien.

Teil II Zur Diskussion

Verwendung von Betriebsmitteln für Investitionen

Boris Augurzky

Im System der dualen Finanzierung der Krankenhäuser obliegt es den Bundesländern, die Investitionsmittel bereitzustellen. Aus dieser Verantwortung ziehen sie sich jedoch immer mehr zurück. Für den Erhalt des Anlagevermögens der Krankenhäuser (ohne Universitätskliniken) ist ein jährlicher Investitionsbedarf von 5,4 Milliarden Euro erforderlich. 2,7 Milliarden Euro steuerten die Länder 2013 in Form von Fördermitteln und etwa 2,0 Milliarden Euro die Krankenhäuser aus ihren Betriebserlösen bei. Offiziell handelt es sich bei Letzteren um eine Zweckentfremdung. Tatsächlich hängen Kapital- und Betriebskosten aber eng zusammen: Wer klug investiert, spart im Betrieb. Eine rein monistische Finanzierung wäre daher angemessener.

Erhebung der Versorgungsqualität von Früh- und Neugeborenen mit sehr niedrigem Geburtsgewicht auf der Basis von Routinedaten

Günther Heller, Stefanie Konheiser und Alexandra Biermann

Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 9.000 Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm geboren (VLBW), deren regelhafte Behandlung in spezialisierten Perinatalzentren (Level 1 und Level 2) durchgeführt wird. Im vorliegenden Beitrag wird ein Verfahren vorgestellt, das die Behandlungsqualität dieser Zentren auf der Basis von Routinedaten abbildet. Ziel ist, die Krankenhäuser selbst, die Krankenkassen sowie Qualitätssicherungs- oder Planungsorganisationen zu informieren wie auch – nach gesonderter Aufbereitung – eine Qualitätsdarlegung für Patienten und Einweiser zur Verfügung zu stellen. Dabei können durch die Nutzung von Routinedaten einrichtungsübergreifende Qualitätsanalysen durchgeführt und Patientenverläufe berücksichtigt werden. Die Vermeidung von zusätzlichem Dokumentationsaufwand wie auch eine vollständige Dokumentation der Todesfälle stellen weitere Vorteile gegenüber dem gesetzlichen Verfahren der Qualitätssicherung für VLBW in Deutschland dar. Bei den im Rahmen der Arbeit durchgeführten Analysen nach Strukturmerkmalen ergaben sich für VLBW, die initial in größeren Perinatalzentren beziehungsweise Universitätskliniken behandelt wurden, niedrigere risikoadjustierte Mortalitäten beziehungsweise Morbiditäten.

Kinder im Krankenhaus

Stefan Wirth und Max Geraedts

In den letzten Jahren konnten valide Informationen über die Lebensqualität und das Erkrankungsspektrum von Kindern- und Jugendlichen mittels des Kinder- und Jugend-Gesundheitssurveys (KiGGS-Studie) des Robert Koch-Instituts erhoben werden. Das stationär zu behandelnde Krankheitsspektrum verschiebt sich von den akuten zu chronischen und von somatischen zu psychischen bzw. psychosomatischen Störungsbildern. Dementsprechend hat sich die kinder- und jugendmedizinische Versorgungsstruktur differenziert. Aufgrund der demographischen Entwicklung und Ökonomisierung von klinischen Abläufen reduzieren sich die Krankenhausbetten und Kinder- und Jugendabteilungen. Die „Charta für Kinder im Krankenhaus“ enthält klare Vorgaben für die Rechte für Kinder im Rahmen der stationären Versorgung, die noch nicht vollständig umgesetzt sind. Die differenzierte Betrachtung des Anteils der stationär in pädiatrischen Fachabteilungen behandelten AOK-versicherten Kinder und Jugendlichen zeigte deutliche regionale Unterschiede zwischen 64,4 und 100 Prozent mit erkennbaren Vorteilen für die östlichen Bundesländer. Das aktuelle DRG-System wird für alle Altersgruppen kontinuierlich angepasst, berücksichtigt aber noch nicht alle Erfordernisse der Kinder- und Jugendmedizin. Politische Einflüsse müssen geltend gemacht werden, um eine für Kinder- und Jugendliche trotz der demographisch bedingten Verschiebung der Interessenslage nachhaltige adäquate stationäre Gesundheitsversorgung zu sichern.

Teil III Krankenhauspolitische Chronik

Krankenhauspolitische Chronik

Dirk Bürger und Christian Wehner

Teil IV Daten und Analysen

Die Krankenhausbudgets 2012 und 2013 im Vergleich

Carina Mostert, Jörg Friedrich und Gregor Leclerque

Der Beitrag untersucht die vereinbarte Budgetentwicklung für 1.387 Krankenhäuser der Jahre 2012 und 2013. Im Ergebnis sind die Krankenhausbudgets für diese Einrichtungen ausgleichsbereinigt um 4,5 Prozent gestiegen, was einem Mittelzuwachs von knapp über 2,6 Milliarden Euro entspricht. Verglichen mit den Vorjahren hatte die vereinbarte Mengenentwicklung mit einem Plus von 1,6 Prozent eine geringere Bedeutung für die Budgetentwicklung von 2012 nach 2013. Der entscheidende Faktor war die Preisdeterminante, was insbesondere auf die Mittel aus dem Gesetz zur Beseitigung sozialer Überforderung bei Beitragsschulden in der Krankenversicherung (Beitragsschuldengesetz) zurückzuführen ist. Inklusive der dort geregelten nachträglichen Tarifberichtigungen und dem Versorgungszuschlag resultiert ein ausgleichsbereinigter Preiseffekt von 2,9 Prozent. Aufgrund des späten Inkrafttretens des Gesetzes sind die Mittel zur Förderung der Krankenhaushygiene in dieser Betrachtung noch nicht enthalten; ihre Wirkungen können erst 2014 budgetwirksam abgebildet werden.

Statistische Krankenhausdaten: Grund- und Kostendaten der Krankenhäuser 2012

Ute Bölt

Dieser Beitrag fasst die Ergebnisse der Krankenhausstatistik zu den Grund und Kostendaten der Krankenhäuser für das Berichtsjahr 2012 zusammen. Er gibt einen Überblick über die sachlichen und personellen Ressourcen (zum Beispiel Betten, Fachabteilungen, Personal) sowie die Inanspruchnahme von Krankenhausleistungen (Patientenbewegungen) und beziffert die Aufwendungen für Personal  und Sachkosten. Die Krankenhausstatistik ist eine seit 1991 bundeseinheitlich durchgeführte jährliche Vollerhebung. Auskunftspflichtig sind die Träger der Krankenhäuser. Die Diagnosedaten der Krankenhauspatienten werden wie die fallpauschalenbezogene Krankenhausstatistik (DRG-Statistik) jeweils in einem gesonderten Beitrag behandelt (siehe Kapitel 21–22).

Statistische Krankenhausdaten: Diagnosedaten der Krankenhäuser 2012

Torsten Schelhase

Die Diagnosen der Krankenhauspatienten bilden das gesamte vollstationäre Geschehen in den deutschen Krankenhäusern ab. Dieser Beitrag beschreibt die Ergebnisse der Diagnosedaten der Krankenhauspatienten für das Jahr 2012. Diese amtliche Statistik wird seit 1993 jährlich als Vollerhebung durchgeführt, alle Krankenhäuser in Deutschland sind auskunftspflichtig. Erfasst werden alle Patienten, die im Berichtsjahr aus der vollstationären Behandlung eines Krankenhauses entlassen werden. Im Jahr 2012 waren dies knapp 19,1 Millionen Patienten, damit ist die Fallzahl im Vorjahresvergleich erneut angestiegen. Die Ergebnisse der Diagnosen werden nach wichtigen Indikatoren wie Hauptdiagnosen, Alter, Geschlecht und Verweildauer  dargestellt. Aufgrund geschlechts- und altersspezifischer Morbiditätshäufigkeiten werden die Ergebnisse teilweise standardisiert und so um den demografischen Effekt bereinigt. Dadurch sind bevölkerungsunabhängige Aussagen möglich.

Fallpauschalenbezogene Krankenhausstatistik: Diagnosen und Prozeduren der Krankenhauspatienten auf Basis der Daten nach § 21 Krankenhausentgeltgesetz

Jutta Spindler

Mit den DRG-Daten nach § 21 Krankenhausentgeltgesetz (KHEntgG) steht den Nutzerinnen und Nutzern im Rahmen des Angebots des Statistischen Bundesamtes seit dem Jahr 2005 neben den Grund- und Kostendaten und den Diagnosedaten der Krankenhäuser eine weitere wichtige Datenquelle zur Verfügung. Gegenstand dieses Beitrags sind zentrale Ergebnisse zur stationären Versorgung des Jahres 2012, die das Informationsspektrum der herkömmlichen amtlichen Krankenhausstatistik ergänzen und erweitern. Im Vordergrund stehen die Art und Häufigkeit durchgeführter Operationen und medizinischer Prozeduren sowie die Darstellung wichtiger Hauptdiagnosen, ergänzt um ihre jeweiligen Nebendiagnosen auch unter fachabteilungsspezifischen Gesichtspunkten der vollstationär behandelten Krankenhauspatientinnen und -patienten. Ausgewählte Ergebnisse zum erbrachten Leistungsspektrum der Krankenhäuser, insbesondere zur Art und zum Umfang der abgerechneten Fallpauschalen (DRGs), den Hauptdiagnosegruppen (MDCs) sowie zum Casemix (CM) und Casemix-Index (CMI), werden in diesem Beitrag ebenfalls dargestellt.

Teil V Krankenhaus-Directory

Krankenhaus-Directory 2013

DRG-Krankenhäuser im vierten Jahr nach der Budgetkonvergenz WIdO

Das diesjährige Directory deutscher Krankenhäuser stellt Eckdaten aus den Aufstellungen der Entgelte und Budgetermittlung (AEB) gemäß Krankenhausentgeltgesetz (KHEntgG) dar. Den nachfolgenden Darstellungen liegen Vereinbarungsdaten und nicht die tatsächlich erbrachten Leistungen der jeweiligen Einrichtung zugrunde. Insgesamt finden 1.417 Krankenhäuser Eingang, zu denen eine Vereinbarung vorliegt.