WIdOmonitor 1/2026
Zur Lage pflegender Angehöriger – Ergebnisse einer bundesweiten Befragung unter Berücksichtigung regionaler Unterschiede
Die vorliegende Befragung gibt Auskunft über die aktuelle Lage pflegender Angehöriger in Deutschland und stellt die vierte Erhebung des WIdO zu diesem Thema dar. Die Ergebnisse der diesjährigen Befragung von rund 1.500 pflegenden Angehörigen zeigen, dass die informelle Pflege weiterhin nicht geschlechtsneutral organisiert ist und weitreichende Folgen für die Erwerbsbiografien, das Einkommen und die Gesundheit der Betroffenen hat. Zwei Drittel der pflegenden Angehörigen (63 Prozent) sind täglich in die Versorgung und Betreuung der pflegebedürftigen Person eingebunden, 45 Prozent der Befragten reduzierten dafür die eigene Erwerbstätigkeit. Dennoch werden bestehende gesetzliche Möglichkeiten zur besseren Vereinbarkeit von Pflege und Beruf nur selten genutzt. Es zeigen sich Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sowie zwischen städtischen und ländlichen Räumen, die sowohl die sozioökonomische Lage der pflegenden Angehörigen als auch die Verfügbarkeit von Unter stützungsangeboten betreffen. Besonders kritisch ist die hohe, auf Basis einer validierten Pflegeskala erhobene Belastung bei rund 43 Prozent der pflegenden Angehörigen. Sie liegt insbesondere, so die vorliegenden Analysen, bei hoher Pflegeintensität, langer Pflegedauer, eingeschränkter Erwerbstätigkeit und oftmals fehlender Unterstützung vor. Gleichzeitig verzichten die Befragten häufig auf zusätzliche Hilfe, beispielsweise durch ambulante Dienste. Die Ergebnisse unterstreichen die Relevanz einer bedarfsorientierten Information und niedrigschwelliger Beratung zu Unterstützungsangeboten sowie einer bedarfsorientierten Ausgestaltung dieser Angebote für Angehörige – auch vor dem Hintergrund längerer Pflegedauern – und einer Stärkung wohnortnaher Unterstützungsstrukturen wie lokale Netzwerke und nachbarschaftliche Hilfe.
